2003

Dokumentation Tagesveranstaltung "BioKraftstoffe - Ein neuer Wirtschaftszweig entsteht"

Liebe Leserin, lieber Leser,

in der öffentlichen Meinung hat die Faszination für den Bereich alternative Energien – dies zeigen aktuelle Ergebnisse einer Studie des Düsseldorfer Markt-und Sozialforschungsinstituts IRES – inzwischen Popularitätswerte erreicht, die höher liegen als die von Formel 1 und Fußball-Bundesliga. Die Verknüpfung von Spitzentechnologie und Umweltbewusstsein ist das eigentlich beeindruckende an den Zukunftsenergien. Offensichtlich wird die Bedeutung der alternativen Energien für Deutschland als High-Tech-Standort immer mehr erkannt und dies als der richtige Weg für eine saubere Umwelt und die Zukunft nachfolgender Generationen gesehen.
Mit unserer Tagung haben wir versucht, dieser Richtung einen zusätzlichen Schub zu geben, in dem wir neue Potentiale für Arbeitsmarkt und Wirtschaftswachstum aufzeigen, die sich in absehbarer Zeit eröffnen werden. Der Standort Deutschland braucht in der jetzigen Phase mehr Impulse für Wachstum denn je, um die aktuellen Wirtschafts-, Sozial- und Beschäftigungsprobleme zu entschärfen. Wir wollten durch unsere Veranstaltung auf Chancen für neue Wirtschafts-und Beschäftigungsfelder hinweisen, die unter die Begriffe ‚Zukunftstechnologie’ und ‚Nachhaltigkeit‘ fallen.
 

Motivation

Was hat uns bewogen, diese Tagung durchzuführen?
Erstens – der Wunsch einem Teilnehmerkreis aus Wirtschaft, Verbänden und Politik neue Potentiale für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung nahe zu bringen.
Zweitens – dazu beizutragen, durch die Initiierung einer Produktionsstätte für synthetische BioKraftstoffe in der hiesigen Region, eine Hebelwirkung für das Entstehen der gesamten Wertschöpfungskette zu bewirken.
Drittens – die Vision einer EU-Kompetenzregion BioKraftstoffe zu erwecken, die eng mit dem Automobilbau aber auch mit dem ländlichen Raum verbunden ist.
 

BioKraftstoffe

Die BioKraftstoff-Alternative für die nahe Zukunft – so meinen die Experten im Hause VW – sind die biogenen synthetischen Kraftstoffe. Volkswagen hat sich in seiner Kraftstoffstrategie eindeutig für diesen Weg ausgesprochen und für diese Klasse der BioKraftstoffe einen neuen Namen geprägt und namensrechtlich schützen lassen: SunFuel.
Die synthetischen BioKraftstoffe sind dann bereits die 3. Generation biogener Kraftstoffe, die sich im Markt befinden werden. Das Interesse an diesen synthetischen BioKraftstoffen ist sehr groß und weltweit vorhanden. Aufgrund ihrer Vorteile gegenüber alternativen BioKraftstoffen wird von vielen Experten erwartet, dass sie die bisherigen BioKraftstoffe substituieren werden.
Der BioKraftstoff der 1. Generation ‚BioEthanol (Alkohol)’ wird vor allem in Brasilien erzeugt. Brasilien ist vor den USA der weltweit größte Erzeuger von BioEthanol und wird es auf absehbare Zeit auch bleiben. Die Herstellkosten der brasilianischen Produktion sind von europäischen Herstellern nicht erreichbar. Ein neuer Markt für Ethanol entsteht in Indien, wo seit Oktober 2003 in 9 von 21 Provinzen eine 5%-ige-Ethanolbeimischung zum Benzin erlaubt ist.
In Deutschland sind momentan die BioKraftstoffe der 2. Generation wie ‚BioMethanol (BioDiesel)‘ und neuerdings auch ‚BioGas’ im Markt. Weltweit wird Biodiesel zum überwiegenden Teil in der EU produziert und erreichte hier einen Anteil von ca. 2% (Schätzung 2000) im Kraftstoffverbrauch im Verkehrssektor. Derzeit laufen auch Bestrebungen außerhalb Europas - wie z.B. in Brasilien – um eine eigene BioDiesel-Produktion ins Leben zu rufen. Dies ist verbunden mit der gleichzeitigen, gesetzlichen Freigabe dieses Kraftstoffes für den brasilianischen PKW-Markt. Bisher ist dort Diesel für den PKW-Bereich nicht freigegeben. Parallel betritt Indien neuerdings das BioDiesel Feld. Mit Unterstützung der Fa. DaimlerChrysler wurde gerade ein 5 Jahre laufendes BioDiesel-Projektgestartet. Dabei soll die Umwandlung von Jatropha-Öl in Biodiesel, die Überprüfung des Biodiesels hinsichtlich seiner chemischen Eignung als Kraftstoff, die CO2-Bindung durch die Plantagen, eine mögliche Nutzung der entstehenden Nebenprodukte und das geschätzte Einkommen aus der Produktion untersucht werden.
 

Wesentliche Rahmenbedingungen

Die EU-Richtlinie vom 8. Mai 2003 zur ‚Förderung der Verwendung von Biokraftstoffen oder anderen erneuerbaren Kraftstoffen im Verkehr‘ fordert die EU-Volkswirtschaften auf, die Abhängigkeit vom Erdöl durch Einsatz von Biokraftstoffen in vorgegebenen Schritten zu reduzieren.
Gemäß der Richtlinie sollen die EU-Mitgliedsstaaten sicherstellen, dass ein Mindestanteil an Biokraftstoffen in Verkehr gebracht wird. Bis 31. Dezember 2005 sollen von allen im Verkehrssektor verbrauchten Otto- und Dieselkraftstoffen 2% durch Biokraftstoffe oder andere erneuerbare Kraftstoffe ersetzt werden, bis 31. Dezember 2010 soll der Anteil auf 5,75 % gesteigert werden.
Im Rahmen eines mehrjährigen Abstimmungsprozesses haben sich Fahrzeugindustrie, Biodieselhersteller und Vertreter der Mineralölwirtschaft auf einen europaweit gültigen Mindeststandard für Biodiesel verständigt. Mit Veröffentlichung der europäischen Norm für Biodiesel aus Raps, DIN EN 14214, durch das Deutsche Institut für Normung e. V. (DIN) wird die bisherige nationale Norm E DIN 51606 abgelöst.
Die Bundesregierung hat sich auf eine komplette Steuerbefreiung aller biogenen Treibstoffe wie Biodiesel oder Bioethanol zum 01.01.2004 geeinigt. Die Freistellung der Biokraftstoffe wird in das Steueränderungsgesetz aufgenommen. Die Änderung des Mineralölsteuergesetzes sieht eine Verlängerung der Steuerbegünstigung für Biokraftstoffe bis zum 31.12.2009 vor. Gemäß der Neufassung des Mineralölsteuergesetzes wird die Steuerbegünstigung sowohl für Reinkraftstoffe als auch für Kraftstoffmischungen gewährt. Ab 2005 hat das Bundesfinanzministerium dem Deutschen Bundestag jährlich einen Bericht über die Markteinführung von Biokraft-und Bioheizstoffen vorzulegen. Entsprechend der Entwicklung der Rohstoffpreise ist in diesem Bericht im Falle einer Überkompensation durch die Steuerbegünstigung eine Anpassung der Steuerbegünstigung für Biokraft-und Bioheizstoffe vorzuschlagen.
 

Auswirkungen des neuen Wirtschaftszweiges

Durch die EU-Osterweiterung werden sich die bekannten Probleme in der Landwirtschaft verschärfen. Der Wirtschaftszweig BioKraftstoffe bietet ein enormes Potential zur Reduzierung der EU-Subventionen in der Landwirtschaft. Neben dem o.g. Fördermittelabbau ergeben sich neue Anbau-und Absatzmöglichkeiten zu definierender regenerativer Produkte für die Land- und Forstwirtschaft.
Anstelle einer kostenverursachenden Biomasse-Abfallentsorgung ergeben sich Chancen bei der Nutzung von Biomasse als BioKraftstoff-Rohstoff. Für die mittelständische Industrie bieten sich neue Geschäftsfelder in der Verfahrens-und Anlagentechnik mit EU-bzw. weltweiten Vermarktungschancen. Für heimische Energieversorger aber auch Betreibergemeinschaften bieten sich Chancen als Betreiber einer BioKraftstoff-Produktionsstätte an der Entwicklung einer Zukunftstechnologie zu partizipieren. Eine ‚EU-Kompetenzregion Biokraftstoffe‘ als Ansatz einer regionalen Strukturentwicklung bietet die Chance als Modell-Region alle Elemente der Wertschöpfungskette in einer Region - vom Rohstofferzeuger bis zum Endprodukt - zu entwickeln.

 

Tagungsbeiträge

Das Thema unserer Tagung ‚BioKraftstoffe – ein neuer Wirtschaftszweig entsteht’ hat die Strukturierung unserer Agenda sowie die Auswahl unserer Eröffnungsredner und Referenten bestimmt.
Wir möchten allen Referenten – auch auf diesem Wege – nochmals sehr herzlich dafür danken, dass Sie sich zur Verfügung gestellt haben und mit Ihren Beiträgen zum Gelingen der Tagung maßgeblich beigetragen haben.

 

Wir danken für Ihre Grundsatzbeiträge als Eröffnungsredner den Herren

Hans-Heinrich Sander, Niedersächsischer Umweltminister,
Matthias Rabe, Leiter der Forschung VW AG
sowie den Referenten unserer Tagung
Bernd Lange, Mitglied des Europäischen Parlaments, Straßburg,
Dr. Andreas Schütte, Geschäftsführer der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) e.V., Gülzow,
Dr. Wolfgang Steiger, Leiter Konzernforschung Antriebe VW AG, Wolfsburg,
Dr. Joachim Fischer, Ingenieurgemeinschaft Witzenhausen (KITU-Mitglied),
Prof. Dr. Klaus-Dieter Vorlop, Vizepräsident der Bundesforschungsanstalt für Land-und Forstwirtschaft (FAL), Braunschweig,
Prof. Dr. Michael Claussen, Leiter Chemische Prozesse CUTEC-Institut GmbH, Clausthal-Zellerfeld,
Matthias Rudloff, Leiter Unternehmensentwicklung CHOREN Industries GmbH, Freiberg (Sachsen),
Henning Eckel, Vorstandsmitglied Wolfsburg AG sowie Henning Franke, SF Input GmbH und
Dr. Gerhard Prätorius, Geschäftsführer reson e.V., Braunschweig.
Insbesondere möchten wir den Herren Dr. Schütte und Dr. Fischer dafür danken, dass sie kurzfristig für die verhinderten Herren Lamp und Prof. Dr. Fricke als Referenten zur Verfügung standen. Wir hoffen, dass auch die Leser, die nicht Teilnehmer unserer Tagung waren, durch die Beiträge unserer Tagung weitere Anregungen zur Meinungsbildung finden und zu einer möglichen Neueinschätzung von Zukunftspotentialen im Wirtschaftszweig BioKraftstoffe kommen werden.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Mit freundlichen Grüßen

Initiativkreis Neuer Wirtschaftszweig BioKraftstoffe

Klaus Schneck (Sprecher) und Bernd Franke (Koordinator)

Wolfsburg im Dezember 2003
 

Downloads

Verfügbare Downloads Format Größe
Dr. Andreas Schütte: Wirtschaftsfaktor Biokraftstoffe PDF 642 KB
Bernd Lange: Biokraftstoffe - eine strategische Herausforderung für Europa PDF 291 KB
Dr. Wolfgang Steiger: SunFuel - Die Kraftstoffstrategie von Volkswagen PDF 878 KB
Dr. Wolfgang Steiger - Manuskript PDF 474 KB
Dr. Joachim Fischer: Die ökologische Bedeutung der Biomassenutzung PDF 1,38 MB
Prof. Dr. Klaus-Dieter Vorlop: Nachwachsende Rohstoffe - Potentiale und Konversionswege zu Biokraftstoffen PDF 5,69 MB
Prof. Dr. Michael Claussen: Biogene Fischer Tropsch Kraftstoffe für zukünftige Antriebskonzepte PDF 784 KB
Matthias Rudfloff: Herstellung von biogenem FT-Kraftstoff mit dem CHOREN-Verfahren PDF 656 KB
Henning Eckel und Henning Franke: Biogas als Fahrzeugkraftstoff - neues PPP-Modell Wolfsburg PDF 139 KB
Dr. Gerhard Prätorius: Wirtschafts- und beschäftigungspolitische Chancen für Südostniedersachsen und angrenzende Regionen PDF 136 KB
Dr. Gerhard Prätorius - Manuskript PDF 161 KB